Wie alles einmal begann ...

Kleine Ortsgeschichte

An der Grenze zu Heeßen liegt der verlassene Meierhof Henkhausen, dessen Entstehungsgeschichte vor dem Jahr 1000 zu suchen ist. Dieser Hof ist als Ursprung der Dorfschaft Buchholz zu betrachten. Wurde dieser Siedlungsbereich mehr als ein halbes Jahrtausend ausschließlich durch den Meier zu Henkhausen geprägt, verzeichnete ein Schreiber der gräflichen Regierung 1551 unter "Thom Bockholtze" erstmalig einen weiteren Hofbesitzer. Buchholz als Gemeinwesen entstand damit ab Mitte des 16. Jahrhunderts.
Der südliche Teil der heutigen Gemarkung gehörte noch um 1900 zum Schloss Arensburg. Die Arensburg, gleichzeitig Amtssitz und Meierei, hatte von je her auch Einfluss auf die Entwicklung des Dorfes.

Die Ortschaft wuchs im Zuge des erstarkenden Handwerks, durch die Mühlen, die Leineweberei und auch durch den Kohlebergbau in den Bückebergen. Die Lage an der Hauptstraße zwischen Rinteln und Obernkirchen sorgte dafür, dass sich auch Händler ansiedelten. Nahe der Schlingmühle gab es einst eine Vorspannstation, wo die Fuhrwerker zusätzliche Pferde für den beschwerlichen Weg über die Bückeberge mieten konnten.

Ab 1648 gehörte Buchholz zum neu entstandenen Land Schaumburg-Lippe und erfuhr ab 1768 besondere Beachtung durch den Grafen Wilhelm. Hier gründete er eine seiner Portugieser-Siedlungen, mit denen vor allem Soldaten abgefunden wurden, die während des Siebenjährigen Krieges in Portugal mit ihm im Einsatz waren. Sie erhielten Häuser und ein Stück Land und brachten der Kolonie bis heute den Namen "Auf der Portugall" ein.

Graf Wilhelm ließ auch den Eisenhammer errichten, eine mit Wasserkraft angetriebene Schmiede. Das Hammergebäude ist heute nicht mehr vorhanden und wurde auch aufgrund seiner idyllischen Lage von den Einwohnern zum Wahrzeichen erhoben. Das Ortsbild wurde lange geprägt durch Hudewiesen, auf denen früher alte Eichen mit großen Kronen standen. Die Früchte der Bäume hatten Bedeutung für die Schweinehaltung. Dorthin trieben die Bewohner regelmäßig ihre Schweine zur sogen. Waldweide.

Ab 1935 wurde der mit Eichen bedeckte Buchholzer Berg in großen Teilen für ein Siedlungsprogramm der NS-Regierung gerodet. Es entstanden dort Selbstversorgerhäuser in Einheitsbauweise. Mit dem Bau der Rinteln-Stadthagener-Eisenbahn wurde das Dorf in zwei Teile getrennt, erhielt aber mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges dann auch eine eigene Bahnstation.

Seit den so genannten Wirtschaftswunderjahren setzte eine rege Bautätigkeit ein und heute gibt es im Ort kaum noch freie Bauplätze.

Gebäude einer früheren Sägerei

Zum Gebäudekomplex gehören ein Wohnhaus, Stallungen für Pferde und Nebengebäude.
Die Sägerei benötigte für Waldarbeiten ausreichende Gespannkraft. Die Pferde hatten ihre Stallungen gleich neben dem Wohnhaus, erkennbar an dem mächtigen Eingangstor.

Gartengrotte

Diese waren früher in gepflegten Gärten sehr verbreitet. Sie wurden unter Verwendung ausgewählter Baustoffe (hier Glaswannen-Steine??, ein Abfallprodukt der Glasindustrie) gestaltet. Hier wurden die Kaffeegäste empfangen. Eine weitere Gartengrotte ist bei hier zu entdecken!

Eisenbahntrasse

Die Nebenbahn von Stadthagen kommend ging zunächst nur als Industriebahn bis zur Koks brennerei in Nienstädt. Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Strecke bis nach Rinteln verlängert und 1900 eröffnet. Heute ist diese Strecke die einzige von ursprünglch 11 Klein- und Nebenbahnen im Schaumburger Land, die noch gelegentlich durch einen Museumszug genutzt wird.

Ursprüngliche Haltestelle

Die Haltestelle ist noch gut am Treppenaufgang und der Stützmauer erkennbar, alles sorgfältig erstellt aus Sandstein der Region. Das Empfangsgebäude wurde in den 1990er Jahren abgerissen.

Backhaus einer Nebenhofstelle

Ein Backhaus in "Schlummerstellung"; der Schornstein und der hintere kleine Anbau (Backofen) verraten seine ursprüngliche Funktion. Der Hausbrunnen der Nebenhofstelle ist ebenfalls noch erhalten (Foto 3a, nicht auf dem Poster)

Wirtschaftsgebäude Hofstelle Henkhausen

Die im Außenbereich des Ortes gelegene Hofstelle Nr. 1 hatte ursprünglich größere Bedeu tung. Ein großes Haupthaus mit mehreren Nebengebäuden und angrenzenden Fischteichen sind dafür ein Zeugnis. Die gut erhaltene Hundehütte ist verwaist (Foto 4a, nicht auf dem Poster)

Wohn- / und Geschäftsgebäude von 1716

Die ursprüngliche Funktion des Fachwerk-gebäudes als Wohn- / Wirtschaftsgebäude bezeugt noch das erhaltene große Dielentor. Das stolze Alter des Gebäudes und das tief herabreichende Dach lassen einen Zweiständerbau vermuten (eine Seltenheit).

Wohnhaus einer Kleinkötner-Stelle

Das restaurierte Gebäude einer Häuserzeile aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert (das zeigt z.B. die beiliegende Karte von 1896) fällt besonders durch den Fachwerk-Erker auf. Ursprünglich diente dieser sicher mehr der Beschickung des Wirtschaftsbodens.

Repräsentatives Wohnhaus

Der großvolumige Bau ruht auf einem ansehnlichen Natursteinmauerwerk und liegt direkt an einer alten Durchgangsstraße. Erbauer unbekannt. Vor dem Anwesen ist noch eine gut erhaltene Gartengrotte zu sehen.

Altes Transformatorhaus

Solche Gebäude gab es früher in jedem größeren Ort. Es waren stets ansehnliche Klinkerbauten, die mit einem formschönen Dach versehen waren. Im Zuge der Modernisierung der Energieversorgung mussten sie schmucklosen Stationen weichen. Die verbliebenen Häuser bieten heute Kleintieren Unterschlupf.

Die Aue als Energielieferant

Die Bückeburger Aue hat mit dem als "Auetal" bezeichneten Hochland ein beachtliches Einzugsgebiet für Wassermühlen. Gefällereiche Hanglagen, verbunden mit hohen Nieder schlagsmengen, sind die Vorraussetzung für die Anhäufung gewerblicher Mühlen in dieser Region. Vergleichbares gibt es wohl nur noch im Bergischen Land. Eine besondere Häufung ist zwischen Rolfshagen und Buchholz zu verzeichnen, wo die Aue unmittelbar das Hochland verlässt.

Blankhammer, Wohn- und Werksbebäude

Das Gebäude des Blankhammers, in denen die Antriebstechnik untergebracht war, ist nicht mehr vorhanden (auf der Karte von 1896 noch verzeichnet). Die Abbildung zeigt das benachbarte Wohn- und Werksgebäude.

Eingewachsener Mühlengraben des Blankhammers

Ein Teil des ursprünglichen Mühlengrabens ist noch erkennbar. Davor befand sich als Wasserspeicher ein Mühlenteich (auf der Karte von 1896 noch gut erkennbar).

Zeugenbaum

Dieser Baum markiert in etwa den früheren Standort des Hammergebäudes (vergleiche auf der Karte von 1896).

Schlingmühle, ehemaliges Betriebsgebäude

Nach einem Brand wurde die Mühle 1908 neu errichtet. Weitere Speicher- und Betriebsgebäude wurden für den großen Bedarf an Getreide in den Jahren 1944-47 errichtet. Das Betriebsgebäude steht über dem Mühlengraben und hatte früher eine Laderampe.

Emblem von 1673

Die Mühle ist älter als das Wehr. Ein beim letzten Erweiterungsbau wieder eingefügter alter Wappenstein nennt das Jahr 1673, was jedoch nicht auf das Baujahr der Mühle schließen lässt. Eine Mühle ist an dieser Stelle in alten Dokumenten schon vor 1620 nachgewiesen.

Auslass des Mühlengrabens

Der obere Teil eines aus Natursteinen gefertigten Tonnengewölbes verrät den Auslass des Mühlengrabens. Durch eine Aufschüttung des Gebäude umfeldes ist er nur noch teilweise erkennbar.

Wehranlage von 1726

Das seit 1999 trocken gefallene Wehr aus behauenen Sandsteinquadern, hat eine Fallhöhe von 2,20 m und eine Breite von 11 m. Die Anlage ist ein typisches Beispiel für die im 18. Jh. errichteten Kunstbauten im Mittellauf der Bückeburger Aue. Das 1726 entstandene Bauwerk (Inschrift an der östlichen Stauwand, Foto 11d, nicht auf dem Poster) diente dem Mühlenbetrieb.

Brücke über den Mühlengraben

Der Mühlengraben wird bei seinem Austritt aus einer Untertunnelung von einer Gewölbebrücke überspannt. Diese ist noch gut erhalten.

Altes Wirtshaus

Dieses schmucke Gebäude ist ein altes Wirtshaus, an der alten Verbindungsstraße Obernkirchen / Arensburg gelegen. Heute steht es unter Denkmalschutz.

Obstgarten mit altem Baumbestand

Derartige Anlagen hatten früher eine große Bedeutung. Sie dienten sowohl der Obsterzeugung zur Eigenversorgung und dem Verkauf, als auch der Grünlandnutzung als Mähwiese oder als Viehweide. Der Obstanbau an der Schlingmühle war früher sehr bekannt. Heute zeugen davon nur noch einige Baumgestalten.

Schwengelpumpe

Schwengelpumpen konnte man früher auf den meisten Hofstellen antreffen. So schwungvoll gestaltete und mit komplizierter Hebeltechnik versehen wie diese waren allerdings die wenigsten.

Überführung der Eisenbahntrasse über den ehemaligen Mühlengraben und Zuwegung

Diese Gewölbebrücke gleicht fast einem Tunnel. Das mächtige Bauwerk war einerseits notwendig wegen der hohe Trassenböschung, anderseits wurde der Mühlenkanal in die Überführung mit einbezogen. Reste der Kanalausmauerung sind unter der Brücke noch erkennbar.

Eisenbahnbrücke über die Aue

Weil ganz in der Nähe sich auch die Aue durch die Talaue schlängelt, mußte eine zweite Überführung geschaffen werden. Diese verbirgt sich hinter dichtem Buschwerk, hat aber ebenfalls mächtige Ausmaße.

Furt durch die Aue

Hier findet sich eine heute nur noch selten anzutreffende Form einer Bachüberquerung. Diese Furt wurde jedoch erst in den 1980er Jahren zur Entlastung der daneben die Aue überspannenden, baufälligen Gewölbebrücke eingerichtet.

Bogenbrücke über die Aue

Die schwungvolle Brücke wurde wahrscheinlich mit Natursteinen erbaut. Das Mauerwerk ist heute durch Zementputz verdeckt.

Grenzstein der Teilungsgrenze

Dies ist ein Hauptgrenzstein der Abmarkung von 1733, entlang des "Heeßer Knicks" (zu entdecken im Unterholz neben dem Eingang zum ehemaligen Wasserwerk Buchholz). Davon sind entlang dieses Grenzabschnittes noch weitere schöne Exemplare erhalten, gut zu erwandern mit schönem Blick auf die Weserberge.
Als Folge des 30-jährigen Krieges wurden in einem Teilungsvertrag 1647 aus der alten Grafschaft Schaumburg zwei Grafschaften geschaffen: eine "Hessischen Anteils" und eine "Schaumburg-lippischen Anteils". Die steinerne Manifestation dieser Grenzziehung und ihre endgültige Festlegung fand aber erst 1733 statt.
Die Hauptsteine sind aufwendig gearbeitet und an geschützten Stellen ausgesprochen gut erhalten. Die nachträgliche, farbige Fassung einiger Steine ist gut gemeint, entspricht aber nicht ihrem Originalzustand. Sie sind durch gehend nummeriert und zeigen auf der einen Seite den aufsteigenden hessischen Löwen mit dem Nesselblatt in der Pranke, sowie eine arabische Ziffer, auf der gegenüberliegenden Seite die lippische Rose mit dem Nesselblatt und eine römische Ziffer. Bei einem Schnatgang im August 2010 wurden außerdem noch zahlreiche Nebensteine (auch "Fluchtsteine" genannt ) entdeckt.

Grenzstein im "Drei-Gemeinden-Eck"

Dieser versunkene Grenzstein markiert den Eckpunkt, an dem die Grenzen der Gemarkungen von Heeßen, Buchholz und Obernkirchen zusammentreffen.

Gewölbebrücke einer alten Durchgangsstraße

Diese mächtige Brücke aus wohl behauenen Natursteinen überspannt die Bückeburger Aue im Verlauf der alten Verbindungsstraße Obernkirchen / Arensburg. Diese Streckenführung ist auf beigefügter Karte von 1797 / 1813 gut erkennbar. Die Brücke steht unter Denkmalschutz.

Arensburger Papiermühle, Gesamtansicht

Sie ist die älteste Schaumburger Papiermühle. Bereits im Jahre1602 schloß Fürst Ernst mit dem Papiermachermeister Christoffer einen Vertrag über den Bau einer Papiermühle im Amt Arensburg. Hintergrund war die Stärkung der gewerblichen Wirtschaft, aber auch der Wunsch, auf dem Gebiet der Papierherstellung eigenständig zu sein. Das Wasser der Aue wurde zur Reinigung der Leinenlumpen benötigt. Mit der Wasserkraft wurden aber vor allem Hackmesser, Stampfhämmer, Walzen und Quirle betrieben. Damit wurde das Leinen zu einem Brei zerfasert, aus dem schließlich das Papier geschöpft wurde. .
Das Hauptgebäude des sehr idyllisch an einer Auebiegung gelegenen Gebäudekomplexes hat der letzte Papiermachermeister Hausmann 1837 gegenüber des ursprünglichen Fachwerkbaues errichten lassen. Bis zum Jahre 1872 stellte Hausmann hier noch Papier her. Danach erfolgte die Umstellung auf eine reine Mahlmühle, die bis 1963 arbeitete.

Wehranlage zur Mühle

Das Wehr wurde aus mächtigem Natursandstein mühevoll aufgebaut. Diese liegen heute z. T. etwas verlassen im Flußbett. Eine Herrichtung, die das historische Dokument weiter erkennen läßt, wäre wünschenswert.

Einlasskanal am Hauptgebäude

An der östlichen Hauswand des Hauptgebäudes ist der Einlaßbereich des Mühlenkanals noch gut erkennbar, sorgfältig errichtet unter anderem aus Sandsteinplatten.

Mühlengraben

Der Verlauf des Mühlenkanals ist auf der Deutschen Grundkarte von 2003 (Karte des Posters) noch verzeichnet. Er führt in großen Windungen bis an den südlichen Rand der Talaue, vorbei an noch erhaltenen Fischteichen, um dann entlang der Mühlenzuwegung das Ziel zu erreichen. . Heute ist er auf dem längsten Teil zugewachsen, z. T. auch verschüttet. Der Auslassbereich bis zur Aue ist noch gut erkennbar.

Kastanien-Allee an der Aue

Dieser Weg wurde 1928 als Notstandsarbeits- Programm angelegt. Der "fürstliche Wanderweg" führte vor allem für die Kurgäste von Bad Eilsen entlang der romantischen Aue zur Arens burg. Der bekannteste Wanderer entlang dieser Strecke war wohl Nobelpreisträger Gerhart Hauptmann .
Die Kastanien-Allee ist heute ein Naturdenkmal und allseits willkommener Wanderweg.

Nachsatz
Die Auswahl der Gebäude stellt keine Wertung dar. Ziel dieser Darstellung ist vielmehr ein Querschnitt noch erhaltener Zeugnisse aus historischer Zeit. Neben den dargestellten Objekten gibt es in diesem Ort darüber hinaus noch weitere beachtenswerte Beispiele.

Danksagung
Die drucktechnische Bearbeitung und der Auflagendruck wurden von der Samtgemeinde Eilsen finanziert. Dafür sei an dieser Stelle recht herzlich gedankt.

Herausgeber
Schaumburger Landschaft (Initiativgruppe " Spurensuche")
Autoren
Beate Barenthin
Markus Lehmann

Redaktion und Druck
Ute und Dr. K.- H. Oelkers
KORTEC, Inh. R. Kording ,Südhorsten